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Immer mehr Fintech-Unternehmen

Derzeit gibt es fast 900 junge Finanztechnologie-Firmen in Deutschland, zeigt eine Studie. Sie entwickeln etwa Apps für das mobile Zahlen oder zur Geldanlage übers Handy.
Sie entwickeln Apps zum mobilen Zahlen, Programme, mit denen sich ein komplettes Girokonto auf dem Smartphone organisieren lässt oder über die man Geld zwischen Freunden hin- und herschieben kann. Sie bieten Unternehmen die Möglichkeit, im Internet ihren Finanzbedarf für bestimmte Projekte über ein Crowdfunding zu finanzieren. Oder sie machen die private Geldanlage übers Handy möglich. Sogenannte Fintechs – also Unternehmen, die neue Finanztechnologien entwickeln – revolutionieren seit einigen Jahren die Finanzwelt. Und es gibt offenbar noch immer genügend Ideen, die die jungen Start-ups in die Praxis umsetzen wollen.

898 Fintechs in Deutschland


Das zeigt eine Studie, die die Direktbank Comdirect jetzt zusammen mit der Unternehmensberatung Barkow Consulting veröffentlicht hat. Demnach gibt es derzeit 898 Fintechs in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden 127 der Finanz-Start-ups neu gegründet. Das sind knapp zehn Prozent mehr als 2018.

Der Sektor hat damit erneut an Dynamik gewonnen, nachdem die Zahl der Neugründung im Vorjahr rückläufig gewesen war: "Das Fintech-Wachstum in Deutschland nimmt wieder Fahrt auf", heißt es daher auch in der Studie. Gleichzeitig zeichne sich in der Branche jedoch eine Konsolidierung ab. Denn die Kapital-Geber der jungen Firmen konzentrieren ihr Geld zunehmend auf wenige, erfolgversprechende Unternehmen.

Viele Fintechs im Immobilienbereich

Die meisten der Finanztechnologie-Firmen gibt es laut Studie in den Bereichen Immobilien (202 Start-ups), Finanzierungen (172) und Versicherungen (114). Am dynamischsten hat sich allerdings der sogenannte Blockchain-Bereich entwickelt. Das sind Finanzfirmen, die sich beispielsweise mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin beschäftigen. Dort tummeln sich mittlerweile 76 junge Firmen. Seit Ende 2017 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Insgesamt wuchs die Anzahl der Fintechs in diesem Zeitraum um ein Viertel.

Wachstum trotz Übernahmen und Schließungen

"Wir sehen in allen Bereichen ein konstantes Wachstum – auch wenn die jüngsten Meldungen über Fusionen und Übernahmen etwas anderes vermuten lassen", sagt Comdirect-Vorstandsvorsitzender Arno Walter. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung PWC hatte zuvor gezeigt, dass seit 2017 mehr als 50 Unternehmen der Fintech-Branche übernommen worden waren, weitere 170 Start-ups mussten ihr Geschäft einstellen.

Für Kapitalgeber sind die Fintechs dennoch weiter interessant. Fast 1,3 Milliarden Euro an Wagniskapital flossen laut Comdirect-Studie alleine in den ersten neun Monaten dieses Jahres in den Sektor. Das sind 130 Millionen Euro mehr als im gesamten Jahr 2018 – ein neuer Rekord. Wagniskapital investieren Geldgeber direkt in junge Unternehmen, in der Hoffnung, dass diese mit ihrer Idee erfolgreich sind – und das Kapital am Ende hohe Renditen abwirft. Seit 2012 flossen etwa 4,7 Milliarden Euro dieser Finanzmittel in den Fintech-Sektor.

Kapitalgeber konzentrieren sich auf wenige Unternehmen


Dabei sind die Kapitalgeber jedoch wählerischer geworden: Etwa die Hälfte der Wagnis-Gelder – 2,3 Milliarden – ging seit 2012 an lediglich 20 Unternehmen. Der Rest verteilte sich auf 345 weitere Firmen, alle übrigen gingen leer aus. "Wir sehen eine zunehmende Konzentration in der Fintech-Szene", sagt Comdirect-Chef Walter: "Immer weniger Finanz-Startups sammeln immer mehr Wagniskapital ein." Auch die Unternehmensberatung KPMG hatte jüngst in einer Studie festgestellt, dass die Wagniskapitalgeber "sehr selektiv" geworden seien. Sie konzentrierten sich "auf Unternehmen mit dem höchsten Umsatzpotenzial".

von Andreas Jalsovec
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