Aktuelle Themen

Günstig finanzieren

Bauzinsen nähern sich wieder Allzeittief

Die Bauzinsen zeigen weiter eine Tendenz nach unten. Unter bestimmten Umständen winken sogar negative Bauzinsen. Ein Anbietervergleich empfiehlt sich auf jeden Fall.
Rauf, rasant runter, rasant rauf, gemächlich runter – so lässt sich die Entwicklung der Baugeldzinsen in den vergangenen zwölf Monaten zusammenfassen. Seit Herbst 2019 war ein moderater Anstieg zu verzeichnen. Der Biallo-Index für Baukredite mit zehn Jahren Zinsbindung, ein Durchschnittswert aus fast 100 Angeboten, kletterte auf bis zu 0,82 Prozent Effektivzins. Dann zeigt sich die Corona-Krise auch bei den Bauzinsen mit großer Wucht: Innerhalb kürzester Zeit sank der Durchschnittszins auf bis zu 0,65 Prozent, aber knackte noch Ende März wieder die 0,75-Prozent Marke. Seit Mai zeigt sich wieder eine langsame Tendenz nach unten. Aktuell liegt der Biallo-Index bei 0,69 Prozent Effektivzins pro Jahr.

Eines ist aber klar: All diese Zinsbewegungen spielen sich auf sehr niedrigem Niveau ab. Zum Vergleich: Im März 2018 lag der Biallo-Index noch bei 1,51 Prozent effektiv pro Jahr. Mitte 2011 waren es noch 4,28 Prozent.

Zinsniveau sichern?

Werden sich die Bauzinsen noch weiter nach unten bewegen? Werden die Kreditinstitute gar Negativzinsen aufrufen? Vor allem für Immobilienbesitzer, bei denen im kommenden Jahr die Anschlussfinanzierung ansteht, ist diese Frage interessant. Sollten sie sich das Zinsniveau sichern? Zum Beispiel über ein Forward-Darlehen? Hiermit können sich Kreditnehmer niedrige Bauzinsen für die Zukunft festschreiben lassen. Allerdings fällt dafür ein Zinsaufschlag an. Günstiger ist es, sich einen Anbieter zu suchen, bei dem man ein normales Annuitätendarlehen längere Zeit kostenlos im Voraus abschließen kann. Beispiel 1822 direkt: Hier fallen erst ab dem 13. Monat sogenannte Bereitstellungszinsen an. Zwölf Monate lang können sich Kreditnehmer kostenlos das Zinsniveau sichern. Auch Santander, DEVK und PSD Bank West verlangen erst ab dem 13. Monat Bereitstellungszinsen. Die Degussa Bank berechnet diese ab dem zehnten Monat. ING und Hypovereinsbank verzichten immerhin ein halbes Jahr lang auf die Mehrkosten.

Zinsniveau festschreiben oder abwarten? Was der bessere Weg ist, kann niemand sicher sagen. Experten gehen jedoch nicht davon aus, dass sich an der günstigen Zinssituation kurzfristig etwas ändern wird. Laut monatlicher Umfrage des Kreditvermittlers Interhyp unter zehn deutschen Kreditinstituten geht die Mehrheit der befragten Experten von gleichbleibend niedrigen Konditionen aus. Auch Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender des Kreditvermittlers Dr. Klein, erwartet auf absehbare Zeit keine Änderung des sehr niedrigen Zinsniveaus: "Selbst wenn die Inflation wieder anziehen sollte, rechne ich nicht direkt mit steigenden Zinsen".

Ein Blick in den Biallo-Baufinanzierungsvergleich zeigt: Die Bauzinsen tendieren zwar gegen null, es gibt aber weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Anbietern.

Baugeld mit zehn Jahren Zinsbindung ab 0,25 Prozent


Ein zehnjähriges Baudarlehen über 300.000 Euro mit 60 Prozent Beleihung und 3,5 Prozent Anfangstilgung gibt es bei Hypovereinsbank und Degussa Bank bereits für 0,30 Prozent Effektivzins pro Jahr. Kreditnehmer zahlen eine Monatsrate von 950 Euro. Die Evangelische Bank sowie 1822 direkt verlangen 0,47 Prozent effektiv pro Jahr. Bei Finanzmaklern können Immobilienkäufer sogar noch etwas günstiger finanzieren. Hier weist der Biallo-Vergleich Angebote ab 0,25 Prozent Effektivzins aus. Entsprechend wäre eine Monatsrate von 937,50 Euro fällig. An der Spitze des Vergleich befinden sich hier Comdirect, Consorsbank, Cosmos Direkt und Interhyp.

Zinssicherheit durch längere Laufzeit erkaufen

In Zeiten niedriger Zinsen empfehlen Experten, eine lange Zinsbindung von 15 Jahren oder länger zu wählen. Immobilienkäufer erkaufen sich die langfristige Zinssicherheit durch einen Zinsaufschlag. Einen Baukredit mit 15 Jahren Zinsbindung gibt es laut Biallo-Index im Schnitt für 0,96 Prozent Effektivzins. Die Hypovereinsbank vergibt entsprechende Darlehen bereits für 0,68 Prozent effektiver Jahreszins, was einer monatlichen Rate von 1.045 Euro entspricht. Bei der Degussa Bank werden 0,70 Prozent fällig. 0,71 Prozent rufen PSD Bank Rhein Neckar Saar und 1822 direkt auf. Wer beim Vergleich auch Finanzmakler mit einschließt, wird ab 0,49 Prozent fündig. An der Spitze des Biallo-Vergleichs finden sich hier CE-Baufinanz und Immo-Finanzcheck.

Volltilgerdarlehen: Am Laufzeitende schuldenfrei

Die niedrigen Zinsen ermöglichen manchen Kreditnehmern auch, ein Volltilgerdarlehen abzuschließen, mit dem sie am Ende der Zinsbindung schuldenfrei sind. Das Zinsänderungsrisiko liegt damit bei null. Die besten Angebote von Banken und Versicherungen für ein Volltilgerdarlehen über 300.000 Euro mit 60 Prozent Beleihung und 20 Jahren Laufzeit liefern laut Biallo-Vergleich derzeit Hypovereinsbank, Allianz, Evangelische Bank und Degussa Bank mit 0,69 bis 0,85 Prozent Effektivzins pro Jahr. Kreditnehmer müssen bei diesen Beispielen eine monatliche Rate von rund 1.350 Euro stemmen können. Bei den Finanzmaklern gibt es bereits Angebote ab 0,56 Prozent (CE-Baufinanz). Entsprechend wären Kreditnehmer hier ab einer Kreditrate von rund 1.320 Euro dabei.

Negativzins via Förderkredit


Auch wenn noch kein Kreditinstitut ein Minuszeichen vor seinen Zinssatz schreibt: Faktisch können Kreditnehmer dennoch von Negativzinsen profitieren – über einen Förderkredit der KfW. Denn unter bestimmten Umständen gewährt die staatliche Förderbank Tilgungszuschüsse, so dass Kreditnehmer im Endeffekt weniger Geld zurückzahlen müssen, als sie zuvor als Kredit aufgenommen haben.

Beispiel: Ein Immobilienbesitzer möchte sein Haus energetisch sanieren. Im entsprechenden Programm „Energetisch sanieren“ (151) gibt es bis zu 120.000 Euro Kredit zu einem Sollzins von 0,75 Prozent. Davon leistet die KfW – je nach durch die Sanierungsmaßnahmen erreichtem Effizienzgrad – einen Tilgungszuschuss von bis zu 48.000 Euro. Der Kreditnehmer muss dann für ein „Effizienzhaus 55“ nur noch 72.000 Euro zurückzahlen. Dadurch beläuft sich der effektive Jahreszins bei einer Laufzeit von zehn Jahren inklusive tilgungsfreiem Anlaufjahr rechnerisch auf minus 11,77 Prozent. Beim Neubau oder Ersterwerb eines Energieeffizienzhauses (KfW-Programm 153) liegt der Effektivzins im günstigsten Fall bei minus 5,51 Prozent pro Jahr.
von biallo.de
Zurück
Lesen Sie auch zum Thema
Zinsentwicklung Tagesgeld (3 Monate, Biallo-Index)
© 2020 Biallo & Team GmbH - www.biallo.de