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Whitebox-Gründerin Preiswerk: "Volatilität bietet auch Chancen"

Die Corona-Krise ist auch für die digitale Vermögensverwaltung eine Herausforderung. Robo-Advisor Whitebox bleibt gelassen. Gründerin Salome Preiswerk im Interview mit biallo.de.
Die Corona-Krise stellt eine erste Reifeprüfung für die noch junge Branche der digitalen Vermögensverwalter dar. Einige Robo-Advisor hat der Corona-Crash im März auf dem falschen Fuß erwischt. Nicht so Whitebox: Der Freiburger Robo hatte sich bereits vor dem Crash sehr defensiv aufgestellt und die Aktienquote zuletzt wieder hochgefahren. Im Interview mit biallo.de erklärt Gründerin und Geschäftsführerin Salome Preiswerk die Gründe für die Umschichtungen und gibt Einblick in die Anlagestrategie von Whitebox.

Frau Preiswerk, als einer der ersten Robos hat Whitebox die Aktienquote in nahezu allen Portfolios bereits Anfang April erhöht. Gehen Sie davon aus, dass wir die Tiefs schon hinter uns haben?

Salome Preiswerk:
Das wissen wir nicht und das kann auch niemand seriös voraussagen. Kurzfristige Prognosen sind nichts anderes als In-die-Glaskugel-Schauen. Und wer danach handelt, betreibt nichts anderes als Zockerei. Die richtige Antwort liegt in der Perspektive: Wir managen Portfolios nicht für den Moment, sondern für die zumindest mittelfristige Zukunft. Wir sind Value-Investoren und haben per Definition einen mittel- bis langfristigen Betrachtungszeitraum.

Aber das Momentum hat doch sicher auch eine Rolle gespielt.


Preiswerk: Höchstens in dem Sinne, dass Preise gewisser Anlageoptionen auf ein Niveau gefallen sind, das für uns aus Value-Gesichtspunkten an Attraktivität gewonnen hat. Das kann für uns ein Grund sein, ein Engagement einzugehen oder zu erhöhen. Aber eben nicht für heute und morgen, sondern für übermorgen und überübermorgen – um es metaphorisch auszudrücken. Das ist die Perspektive, die uns interessiert und die eigentlich jeden Anleger interessieren sollte – und die zu einem langfristigen Anlageerfolg führt, wenn man nicht zufällig bei der kurzfristigen Zockerei die Sechs gewürfelt hat.

Im Gegensatz zu anderen Anbietern mit aktivem Risikomanagement schichten Sie verhältnismäßig wenig um. Wie kommt‘s?


Preiswerk:
Wir sind durchaus aktiv, aber nicht aktionistisch. Wir halten nicht viel von kurzfristigem Risiko- oder Volatilitätsmanagement. Zum einen, weil die Geldanlage immer langfristig ausgerichtet sein sollte und es daher nicht nachvollziehbar ist, dass es beim Risikomanagement als integralem Bestandteil anders sein soll. Zum anderen, weil derartige Aktionen den Anleger oft zu viel kosten und – was fast noch schlimmer ist – dem eigentlichen Versprechen der Verhinderung temporärer Buchverluste oft nicht gerecht werden. Wir versprechen keine Volatilitätsglättung, im Gegenteil: Volatilität ist nicht notwendigerweise etwas Negatives – denn sie bietet auch Chancen! Zudem sind wir uns bewusst, dass es solche Dips gibt und würden niemals kurzfristig – aus Panik heraus oder aus welchen Gründen auch immer – drastische Umschichtungen in den Portfolios vornehmen. Unsere Portfolio-Anpassungen sind stets behutsam, sowohl in der Häufigkeit als auch im Ausmaß, und geschehen ebenfalls immer mit langfristigem Blickwinkel.

Die jüngsten Umschichtungen waren auch die ersten seit Ausbruch der Corona-Krise. Das heißt, Sie waren vorher schon relativ vorsichtig in den Portfolios aufgestellt?

Preiswerk: Ja, wir waren vorher bereits defensiv aufgestellt. Aber nicht, weil wir die Corona-Krise vorausgesagt hätten, sondern weil wir grundsätzlich gesehen haben, dass die Märkte flächendeckend über die meisten Assetklassen hinweg überbewertet waren und die Preise zum Teil in irrationalen Höhen lagen. Von daher hatten wir schon eine Korrektur erwartet, durchaus auch in dieser Höhe, und unsere Portfolios entsprechend defensiver ausgerichtet. Grundsätzlich gilt: Maßnahmen zum Schutz vor den Folgen einer Krise oder Katastrophe sollte man ergreifen, bevor diese eintreten. Wenn die Erde bereits bebt, ist es für Risikoprävention zu spät.

Frau Preiswerk, besten Dank für das Interview.
von Sebastian Schick
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