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Digitale Vermögensverwaltung im Juli

Wie erfolgreich Roboter Geld anlegen

Soll das Ersparte Rendite abwerfen, kommen Anleger um Aktien kaum herum. Wer die Wertpapierauswahl nicht selbst machen möchte, kann standardisierte Anlagestrategien nutzen. Welche Renditen waren in den vergangenen Wochen mit den sogenannten Robo-Advisors möglich?
 Viele Banken haben inzwischen digitale Anlageprogramme im Angebot – die Deutsche Bank unter dem Namen Robin, die Sparkassen unter Bevestor und die Genossenschaftsbanken unter MeinInvest. Dabei fließt das Geld computergesteuert in Aktienfonds und ETFs (Indexfonds). Auch nachhaltige Anlegestrategien sind möglich.

So funktionieren Robo-Advisors

Die Bezeichnung Robo-Advisor setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern Robot (Roboter) und Advisor (Berater). Dahinter verbergen sich Computerprogramme, die im Prinzip das Gleiche tun wie klassische Bankberater: Sie stufen Anleger anhand eines Fragebogens in Typklassen ein, geben Anlageempfehlungen und setzen diese auf Wunsch in die Praxis um. Um die Sparziele zu erfüllen, stellen Robo-Advisors unterschiedliche Anlagestrategien zur Wahl. Je nach Risikobereitschaft, Sparhorizont und Anlagevoraussetzungen unterscheiden sich diese vor allem im Aktienanteil und in den Investitionsschwerpunkten. Grundsätzlich gilt: Sicherheitsorientierte Anlagestrategien beinhalten nur einen geringen Aktienanteil. Je risikofreudiger der Anleger investieren möchte, desto höher steigt der Aktienanteil. Damit Strategie und Renditeerwartung auf Kurs bleiben, schichten Robo-Advisor bei Bedarf eigenständig Wertpapiere um. Dies geschieht anhand vorgegebener Algorithmen, manchmal greifen auch Spezialisten ein.

Vorteile und Risiken

Die Vermögensanlage startet häufig schon ab Beträgen von unter 1.000 Euro, für den Kapitalaufbau stehen Sparpläne in flexibler Höhe bereit. Es gibt weder feste Vertragslaufzeiten noch Kündigungsfristen. Sparer können jederzeit über ihr Geld verfügen und Einzahlungen vornehmen. Der Einsatz passiv gesteuerter Indexfonds sowie die computergesteuerte Beratungssoftware ermöglichen Kostenvorteile gegenüber der persönlichen Betreuung in der Bankfiliale. Dennoch sind Robo-Advisors nicht für jeden Anleger empfehlenswert. Sparer ohne Börsenkenntnisse beziehungsweise mit hoher Risikoabneigung tun sich häufig schwer, ihr Vermögen einer Software anzuvertrauen. In diesem Fall kann die persönliche Bankberatung oder die individuelle Betreuung durch einen Wertpapierspezialisten die bessere Wahl sein.

Aktuelle Performance


Nach den erheblichen Kursverlusten im März erholen sich die Aktienmärkte wieder. Der Deutsche Aktienindex nähert sich wieder eindrucksvoll dem Stand vor dem Corona-Crash. Lag er im März bei rund 8.255 Punkten, so hat er zuletzt wieder die 13.000-Punkte-Marke gerissen. Auch am globalen Aktienmarkt ging es wieder stark bergauf. Der MSCI World Index kletterte von 1.602 Punkten im März auf zuletzt mehr als 2.300 Punkte.

Zwölf-Monate-Performance trotz Corona-Crash bei bis zu 8,24 Prozent


Betrachtet man die Wertentwicklung der Anlagestrategien unterschiedlicher Robo-Advisors, so zeigt sich auch hier, dass die Rückschläge weitgehend wieder ausgeglichen wurden. War die Zwölf-Monate-Performance nach den Kursverlusten imMärz bei den meisten Anbietern besonders bei der offensiven Anlagestrategie noch negativ, so hat sich das Blatt mittlerweile bei vielen wieder gewendet. Das zeigt der Robo-Advisor-Vergleich von biallo.de. Cominvest wartet bei der offensiven Anlagestrategie sogar mit einer Zwölf-Monate-Performance von 8,70 Prozent auf. Bei Minveo sind es 8,69 Prozent und bei Solidvest 8,26 Prozent. Bei Visualvest und Wüstenrot beträgt die Performance immerhin 2,00 und 2,06 Prozent.

Weniger stark fielen die Börsenrückschläge durch den Corona-Crash bei defensiven Anlagestrategien ins Gewicht, die weniger chancenreich, aber auch weniger risikoreich anlegen. Solidvest konnte hier 5,03 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten erzielen, Liqid 3,10 Prozent und Kapilendo 2,81 Prozent. Wer den goldenen Mittelweg eingeschlagen und auf eine ausgewogene Anlagestrategie gesetzt hatte, konnte bei Estably von einer Zwölf-Monate-Performance von 7,48 Prozent profitieren. Cominvest erzielte 6,54 Prozent und Solidvest 5,88 Prozent.

Bis zu 35,56 Prozent Performance auf Drei-Jahres-Sicht


Warum bei Anlagen in Wertpapieren - gleich ob in Aktien, Fonds oder über einen Robo-Advisor - ein längerfristiger Anlagehorizont sinnvoll ist, zeigt der Blick auf die Drei-Jahres-Performance. Denn hier zeigen sich im Biallo-Vergleich trotz der jüngsten Rückschläge bemerkenswerte Wertentwicklungen. Hervor sticht Estably mit einer Drei-Jahres-Performance von 35,56 Prozent bei der offensiven Anlagestrategie. Solidvest fuhr 26,61 Prozent ein und Wüstenrot 19,77 Prozent. Growney erzielte 13,00 Prozent, Liqid 12,61 Prozent und Investify 12,44 Prozent Performance.

Bei ausgewogener Anlagestrategie über drei Jahre liegt ebenfalls Estably mit 32,42 Prozent vorne. Dahinter folgen im Biallo-Vergleich Solidvest mit 16,80 Prozent sowie Fintego und Wüstenrot mit jeweils 14,10 Prozent. Weltinvest erzielte 11,34 Prozent Performance, Liqid 10,95 Prozent, Investify 10,19 Prozent, Visualvest 10,03 und Pixit 9,85 Prozent.

Vorsichtige Anleger, die eine defensive Strategie bevorzugen, konnten bei Estably von einer Drei-Jahres-Performance von 17,44 Prozent profitieren. Dahinter folgen Solidvest mit 12,6 Prozent sowie Wüstenrot und Fintego mit 12,34 Prozent.

Hinweis: Nicht alle Anbieter sind bereits lange genug auf dem Markt, so dass sie Zahlen für den Drei-Jahres-Zeitraum liefern können.

Anlagestrategien vergleichen

Sowohl bei defensiver, als auch bei ausgewogener und offensiver Anlagestrategie gibt es im Biallo-Vergleich Robo-Advisors, die auch über einen längeren Zeitraum betrachtet nur eine geringe positive oder sogar eine negative Performance zeigen. Wer Geld über einen Robo-Advisor investieren möchte, sollte deshalb im Vorfeld die Anbieter vergleichen - auch wenn gute Performance in der Vergangenheit natürlich kein Garant für zukünftigen Erfolg ist.
von Max Geißler, biallo.de
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