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Apple Pay oder Google Pay

Wie Bankkunden mobil bezahlen können

Mobiles Bezahlen ist im Kommen. Je nach Geldhaus gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, um mit dem Smartphone oder auch der Smartwatch zahlen zu können. Ein Überblick.
Beim mobilen Bezahlen mit dem Smartphone handelt es sich eigentlich um eine gewöhnliche Kartentransaktion. Hierbei basiert die Datenübertragung auf der sogenannten NFC-Technologie (Near Field Communication). Je nachdem, welche Kartenart Sie in der App zum Bezahlen wählen, wird die Abrechnung entsprechend von Ihrem Giro- oder Ihrem Kreditkartenkonto erfolgen. Wo Sie mobil bezahlen können, zeigt Ihnen das Wellen-Symbol am Kassenterminal oder auf dem Display. Banken setzen auf Apple Pay, Google Pay oder eigene mobile Bezahlsysteme. 

Kunden der Consorsbank können nun mit Apple Pay bezahlen

Seit kurzem ist es Kunden der Consorsbank vergönnt, mit Apple Pay und iPhone, Apple Watch, iPad oder Mac schnell und bequem zu bezahlen, egal ob in Geschäften oder im Internet. Voraussetzung für alle Nutzer ist eine Visa Card, die Inhaber eines Girokontos der Consorsbank kostenlos erhalten. "Unsere Kunden möchten bei ihren Einkäufen einfach und bequem bezahlen, ohne dabei viele Daten eingeben oder Online-Formulare ausfüllen zu müssen. Gleichzeitig wollen sie aber keine Abstriche bei der Sicherheit machen", sagt Dr. Sven Deglow, Co-CEO der Consorsbank.

Banken in Österreich sehen das genauso. Denn die Erste Bank und alle österreichischen regionalen Sparkassen sowie N26 sind offiziell die ersten Zugpferde für die Nutzung von Apple Pay bei unseren Nachbarn in der Alpenrepublik. Hingegen konnten sich die Sparkassen und VR-Banken in Deutschland bislang mit Apple noch nicht einigen.

DKB setzt auf Google Pay


Derweil vermeldet die DKB, dass seit dem 7. Mai 2019 ihre Kunden dank Google Pay mit einem Android-Gerät mobil bezahlen können. Voraussetzung ist die Hinterlegung der DKB-VISA-Card in Google Pay über die DKB-eigene Banking-App. Mit einer Aktivierung von Google Pay bis zum 17. Mai erhalten alle Kunden einen Startbonus von zehn Euro. Danach kann an allen Kontaktlos-Terminals ganz einfach mit dem Smartphone bezahlt werden.

Apple Pay auch bei Sparkassen?

"Noch in diesem Jahr" – so werden in den vergangenen Wochen deutsche Kunden der VR-Banken und Sparkassen in Sachen Apple Pay vertröstet. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) kritisiert, dass "Apple seine NFC-Schnittstelle nicht für andere Anbieter öffnet und auch die im Handel beliebte und bei Kunden weit verbreitete Girocard bisher nicht als Zahlungsmittel integriert hat". Genau das sei aber Voraussetzung dafür, dass sich mobile Zahlungslösungen in Deutschland durchsetzen können, so der DSGV.

Laut Apple habe der Schutz persönlicher Informationen, Transaktionsdaten sowie Kredit- und Debitkarten-Informationen oberste Priorität. Die Nummern der hinzugefügten Karten würden weder auf dem Gerät noch auf den Apple-Servern gespeichert. Stattdessen werde eine eindeutige Gerätekontonummer vergeben, die verschlüsselt und geschützt im Sicherheitselement auf dem Gerät gespeichert sei. Jede Transaktion werde zudem mit einem individuellen Sicherheitscode autorisiert, so der Konzern.

Trotz allem führt der DSGV laut eigener Aussage "sehr positive Gespräche mit Apple". Dabei stellt die Sparkassen-Finanzgruppe klare Forderungen: "Um die Weiterentwicklung mobiler Zahlungslösungen hierzulande nicht zu bremsen, sollte Apple den Industriestandard NFC an seinen Endgeräten zu angemessenen Konditionen nicht nur für die eigene Lösung, sondern auch für Dritte öffnen." Derweil unterstreicht der Sparkassen-Verband im Gespräch mit biallo.de den Erfolg seines eigenen Bezahlsystems "Mobiles Bezahlen" mit neuesten Zahlen. Demnach konnten seit dem Start im vergangenen Jahr 493.000 App-Downloads über Google Play und 1,71 Millionen Smartphone-Transaktionen verzeichnet werden.

Volks- und Raiffeisenbanken wollen Apple Pay noch in diesem Jahr anbieten

Auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) ist mit Apple in Gesprächen: "Grundsätzlich ist es weiterhin so, dass wir für eine Zusammenarbeit mit Apple offen sind", verlautete der BVR gegenüber biallo.de und man sei zuversichtlich, das Bezahl-Verfahren noch in diesem Jahr seinen Kunden anzubieten. Die eigene VR-BankingApp sowie die digitale Girocard und die institutseigenen Kreditkarten (Mastercard und VISA) werden derzeit von 554 der knapp 900 Genossenschaftsbanken angeboten, weitere werden folgen.

Damit zwischenzeitlich die Lücke zu Apple und Google geschlossen wird, entwickelte VR Payment, der Zahlungsspezialist der Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken, die App "VR-pay:Me" speziell für Händler und Dienstleister. Ähnlich wie bei den Payment-Anbietern SumUp oder iZettle können Unternehmen damit Kartenzahlungen per Smartphone akzeptieren. Was "VR-pay:Me" von anderen Lösungen im Wesentlichen unterscheidet: "Die App ist als einzige für die Girocard zertifiziert – und das ist mit 110 Millionen Karten im Umlauf nun einmal das meistgenutzte bargeldlose Zahlungsmittel in Deutschland", sagt Carlos Gómez-Sáez, CEO von VR Payment, gegenüber biallo.de. Ebenso unterstützt die App alle gängigen Kreditkarten, Apple Pay sowie Google Pay. VR Payment vermeldete erst kürzlich, dass "VR-pay:Me" voraussichtlich im Juli offiziell an den Start gehen wird.

Apple Pay und Google Pay auf Umwegen

Was DSGV und BVR bisher nicht genug berücksichtigen: Viele technikbegeisterte Kunden möchten Apple Pay oder Google Pay einfach so bald als möglich nutzen. Das hat beispielsweise Vimpay, der Mobile-Payment-Dienst aus Bayern, schnell erkannt. Mit der kostenlosen und digitalen Standard-Mastercard von Vimpay kann man sein Konto der Sparkasse oder jeder anderen Bank verbinden und so die Bezahldienste von Apple wie auch von Google über sozusagen einen Hintereingang in vollem Umfang nutzen. Für das Mastercard Premium-Modell erhält man unter anderem ein Vimpay Girokonto für eine Servicegebühr von 4,99 Euro monatlich.

Auch mit Boon, der Bezahl-App für Smartphones oder Smartwatches von Wirecard, und der virtuellen "Boon Prepaid Mastercard" können Verbraucher Konto-unabhängig mit Apple Pay oder Google Pay direkt loslegen. Jedoch ist die App nur die ersten drei Monate kostenfrei. In der Basic- sowie Plus-Version fällt ab dem vierten Monat eine Gebühr von 1,49 Euro an. Das dürfte Nutzer von Wearables nicht stören, denn Boon lässt sich auch mit Apple Watch, Fitbit, Garmin und Co. verbinden und für Einkäufe bargeld- und vor allem kontaktlos nutzen.

Zu den Marktführern im Internet gehört ganz sicher der amerikanische Zahlungsdienstleister Paypal. Dessen App lässt sich mittlerweile mit dem mobilen Zahlungsdienst Google Pay verknüpfen.

Der Clou: Man kann bei Paypal jedes Girokonto einer beliebigen Bank hinterlegen und ist damit nicht mehr auf die Zahlungsapp des eigenen Instituts angewiesen.

Tipp: Als Nutzer der neuen Mobile Payment-Apps sollten Sie nicht vergessen, die Geschäftsbedingungen der jeweiligen Bank genau zu lesen. Für bestimmte Vorgänge können zusätzliche Gebühren anfallen.

Deutsche Bank als Pionier beim Mobile Payment

Die Deutsche Bank zählt zu den Pionieren im Bereich Mobile Payment. Als erste Bank in Deutschland hat sie im April 2017 eine kontaktlose Bezahlmöglichkeit mit Smartphone eingeführt, welche die Bank selbst entwickelt hat. Das Thema kommt bei den Kunden offenbar gut an. Bedingung ist neben einem NFC-fähigen Android Smartphone eine Deutsche Bank Mastercard.

Auch bei der Postbank ist eine hauseigene Kreditkarte (Postbank Visa Card) die Voraussetzung für das Bezahlen mit dem mobilen Postbank Finanzassistenten. Bei Googles Bezahldienst Google Pay reicht die Kreditkarte eines kooperierenden Finanzdienstleisters aus. Eine Auflistung dieser Banken und Zahlungsdienstleister finden Sie auf der Google Pay Webseite. Alternativ können Nutzer ihr Paypal-Konto mit der App verknüpfen. Übrigens: Kunden der Sparkassen und Volksbanken können ihre mobilen Zahlungen auch über ihre Girocard abwickeln.

Comdirect setzt auf Wearables

Comdirect und Visa bringen mit dem Einsatz von Wearables – sogenannte tragbare Computersysteme beispeilsweise als Armbanduhren – das mobile Bezahlen auf die nächste Innovationsstufe. Beispielsweise während der deutschen Beach-Volleyball Meisterschaften 2018 konnten am Timmendorfer Strand Sportler sowie Publikum mit vorkonfigurierten Armbändern die Bezahlfunktion testen.

"Als smarter Finanzbegleiter wollen wir unseren Kunden Lösungen bieten, die das Leben rund um alle finanziellen Themen einfacher und leichter machen", sagt Matthias Hach, Marketing- und Vertriebsvorstand von Comdirect. Mit solchen Projekten wird klar, dass Fitness Tracker, Wearables und Smartwatches in Kürze das bargeldlose Zahlen weiter revolutionieren werden.

Zwar verfügen weder die Comdirect noch ihre Mutter Commerzbank über ein eigenes System für kontaktlose Zahlungen, was aber für die Kunden kein Nachteil sein muss. Die beiden Institute haben sich nämlich ebenfalls dem Bezahlsystem Google Pay angeschlossen. Nutzer eines Android-Smartphones können dessen Zahlungs-App installieren und dann beispielsweise eine Visa- oder Mastercard der Bank hinterlegen.

Technisch und im Hinblick auf den Bedienkomfort funktioniert dies im Prinzip ebenso wie bei der Sparkassen-App. Allerdings gibt es einen großen Unterschied: Bei Google Pay können Comdirect- beziehungsweise Commerzbank-Kunden aktuell keine Girocards zur kontaktlosen Zahlung hinterlegen und sind deshalb auf eine in der Regel kostenpflichtige Kreditkarte angewiesen. Eine Alternative ist die bereits erwähnte Option, das Comdirect- beziehungsweise Commerzbank-Konto in Paypal zu hinterlegen und dann mit Google Pay zu verknüpfen.


von Max Geißler, Kerstin Weinzierl, Björn König
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